Low Budget Reise in Indonesien – Reisegeschichte aus Padang

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“Padang? Wer oder was ist Padang?” – ist häufig die erste Frage, wenn ich von meiner Reise in Indonesien erzähle. Padang ist die Hauptstadt der Provinz West Sumatra. Sumatra ist die westlichste Insel des weltgrößten Inselstaats Indonesiens.

Warum ich mich für Padang entschieden habe? Nachdem ich zwei Monate meiner Semesterferien in Vietnam bei einem Freund verbrachte, wollte ich noch andere Länder und verschiedene Kulturen entdecken und das möglichst kostengünstig.

Nach einem kurzen Zwischenstopp von zwei Tagen in Singapur und sechs Tagen in Kuala Lumpur in Malaysia, buchte ich den von dort aus günstigsten Flug. Dieser führte für mich in die Stadt Padang und dort konnte ich eine letzte aufregende Woche verbringen, bevor es für mich zurück nach Deutschland in die Universität ging.

Meine Nächte verbrachte ich bei Einheimischen, die ich vorher bei Couchsurfing ausfindig gemacht habe, dabei war die Auswahl sehr groß! Und so begannen meine sieben spannende Tage in Padang.

Die Ankunft in Padang

Ich landete an einem einsamen und sehr übersichtlichen Flughafen in der Nähe der Küste zwischen Palmen um circa 10 Uhr morgens. Ab da wusste ich, dass Padang keine große Metropole sein wird. Ich checkte ein und wartete auf meinen ersten Host von Couchsurfing, der mich vom Flughafen abholen wollte.

Während des Wartens kam mein erstes Highlight. Ein kleines Auto, mit dem Kinder am Flughafen fahren und sich die Zeit vertreiben konnten, spielte nebenbei immer Musik. Neben indonesischer Kindermusik ertönte dann der Song “Schnappi, das kleine Krokodil”. Meine sowieso schon gute Stimmung konnte dadurch nochmal um einiges gesteigert werden.

Kurze Zeit später kam David, mein erster Host in Indonesien und auch so mein erster Host, denn ich probierte dort das erste Mal das Reisen mit Hilfe von Couchsurfing aus. Zusammen mit David fuhr ich zu einem Freund von ihm, bei dem wir erstmal genüsslich einen Kaffee trinken konnten. Auf dem Weg dorthin konnte ich bereits viele verwirrte Blicke beobachten. Die Einheimischen waren Touristen nicht gewohnt, vor allem keine, die fast zwei Meter groß, hellhäutig sind und blonde Haare haben.

Die Fahrt nach Solok

Wir liehen uns den Roller von seinem Freund aus und David zeigte mir Sehenswürdigkeiten in Padang. Nach der kleinen Tour kehrten wir zurück zu seinem Freund und fuhren mit einem Taxi in seine Heimat Solok, einem ländlichen Dörfchen in den Bergen von West Sumatra.

Die Fahrt dorthin war bereits ein absolutes Abenteuer, denn alle Taxis waren kleine bunte Vans mit getunten Motoren und Stickern. Man kann sich einen klassischen VW  Bus vorstellen, nur, dass anstatt neun Personen, 20 Menschen sich in dieses Auto quetschten. Verkehrsregeln oder ähnliches waren eher weniger relevant. Nachdem ich vor dem Losfahren einschlief, wachte ich mitten in der Fahrt, durch das ständige Überholen und Beschleunigen in engen und unübersichtlichen Kurven, auf. Es war eine ziemlich coole Erfahrung und hat sich angefühlt wie eine verdammte Achterbahnfahrt!

Bei ihm in der Heimat angekommen zeigte er mir stolz sein Haus (selbstgebaut) und seine äußerst liebe Familie. Zusammen fuhren wir wieder mit Freunden durch die Gegend und nun durfte endlich auch ich mit dem Roller durch die Berge pesen. Der Abend endete bei einer Hochzeitsfeier, wo ich als Glücksbringer galt und viele Fotos mit den Einheimischen machen sollte. Dort wurden wir zum Essen und Trinken eingeladen.

Sepak Takraw und atemberaubende Natur!

Am nächsten Morgen ging ich mit David auf den Wochenmarkt und probierte einige der wirklich leckeren kulturellen Gerichte. Nach der kleinen Stärkung ging es weiter zu einem Fluss, in dem wir uns gebadet und ein wenig gewaschen haben. Das Wasser war sehr angenehm kühlend unter der heißen Sonne. Im Fluss holte ich mir meinen ersten richtig dollen Sonnenbrand.

Während eines weiteren Trips mit den Rollern durch die wunderschöne Landschaft Soloks, kamen wir zu schönen Bergen, Seen und einem Sportevent. Der Sport Sepak Takraw, bei dem Teams aus jeweils drei Personen quasi Volleyball mit den Füßen spielen, war ziemlich cool anzuschauen und auch ich durfte meine fußballerisches Talent dort unter Beweis stellen.

Traditionelles Fisch fangen und ein Vulkanpool in Indonesien

Am späten Nachmittag traf ich mich mit vielen Freunden von David wieder an dem Fluss, in dem wir am Morgen bereits geschwommen waren und es begann das traditionelle Fischen. Mit Steinen und Folien konnten wir eine Art Damm bauen und damit den Fluss flacher werden lassen. Dann wurde ganz stumpf eine Tüte Gift in den Fluss geschüttet, durch das die Fische betäubt und leicht mit Kescher oder Händen zu fangen waren. Die Beute war tatsächlich sehr groß.

Während sich der Rest der Crew traf, um gemeinsam den frischen Fang zu essen, begaben David, zwei seiner Freunde und ich uns auf einen weiten Weg. Wo genau es hingehen sollte, habe ich nicht wirklich mitbekommen, aber das war vollkommen ok. Ich genoss die Fahrt. Als wir ankamen wusste ich was die Jungs mit “hot water” meinten.

Wir waren bei einem Vulkanpool, ein Schwimmbecken mit total heißem Wasser, das durch einen nahe-gelegenen Vulkan erhitzt wurde und heilend wirken soll. Für mich war es ein kleines unfassbares Ereignis, nicht weil ich kein heißes Wasser kenne, sondern weil ich noch nie zuvor überhaupt in der Nähe eines Vulkans war.

Spät kamen wir dann erst wieder nach Hause, aber trotzdem erwartete uns Davids Mutter mit leckerem Essen! Die Indonesen waren sehr gastfreundlich und haben sich stets um mich gekümmert. Auch meine leichte Überforderung durch die neuen unbekannten Essgewohnheiten der Indonesen haben sie nicht gestört, sondern eher amüsiert.

Der Hostwechsel in Padang

Nach einem Abschied voller Trauer von David und einem Versprechen, dass wir uns an meinem letzten Tag in Padang noch einmal wieder treffen würden, kam ich zu meinem neuen Host namens Wayhu. Der Übergabeort war wieder in Padang und ich traf Wahyu in einem Krankenhaus, da er bei einem Rollerunfall verunglückte und nun eine Therapie machen darf, um wieder richtig laufen zu lernen. Seine Entwicklung war bereits sehr stark!

Die erste Nacht blieb ich mit Wayhu in Padang bei seinem Onkel. Wir machten uns einen entspannten Abend, schauten mit ein paar Freunden Joker im Kino und ich aß das erste Mal während meiner Südost-Asien-Reise Bratnudeln.

Gestärkt mit Kaffee und Kuchen zum Frühstück sind wir dann auch in seine Heimatstadt gefahren, nach Solok Seletan. Seine Mutter hatte ein sehr gut besuchtes Restaurant in der Stadt und war, genau wie Wahyu auch, bekannt aus Film und Fernsehen. Am nächsten Morgen schauten wir gemeinsam eine Show, bei der die Mutter einen Auftritt in einer asiatischen Kochsendung hatte.

Roller fahren in der Natur und traditionelles Essen

Auch mit Wahyu fuhr ich viel durch die Gegend und bestaunte die Landschaften und Natur Soloks. Auch Wahyu tat das sehr gut, da er schon ewig nicht mehr Roller gefahren ist. Das Ziel unserer Fahrt war ein Familienfreund, der Wahyu und mich spontan zum Familienessen einlud.

Die Fahrt dorthin war geprägt von vielen, sehr vielen Pannen. Gefühlt alle zwei Kilometer platzte der Schlauch des Reifens, weil der Mantel bereits ein Loch hatte. Aber die Einheimischen sahen das ganz gelassen. Dann fuhr man halt ein paar Meter auf der Felge. Oder sie flickten den Reifen provisorisch und legten irgendwas vor das Loch des Reifens, und dann passte das schon wieder.

Irgendwann kamen wir dann doch heile bei dem Freund an und der Empfang war sehr herzlich. Es wurde viel gestaunt, gelacht und getanzt. Der Freund war ein ausgezeichneter Koch und bereitete Essen für die ganze Gruppe vor. Dann wurden Bananenblätter auf dem Boden ausgebreitet, um dann darauf die Lebensmittel zu verteilen. Gemeinsam saßen wir um die Bananenblätter und schaufelten alles in uns hinein! Nach dem Essen durfte noch jeder ein Foto mit mir machen, ein wirklich komisches Gefühl.

Abschied von Wahyu und letzter Tag in Indonesien

Am nächsten Morgen fuhr ich auch mit Wahyu zu einem Vulkanpool, diese scheinen in den Bergen wohl häufiger zu sein als ich erwartete. Nachdem wir wieder zurück gefahren sind und auf der Terrasse einen Kaffee tranken, kam sein Nachbar, der gerade sein Haus baute, rüber mit seiner alten traditionellen Hochzeitstracht.

Ich weiß nicht warum und hab es immer noch nicht herausgefunden, aber dieser Mann war top motiviert mich komplett einzukleiden. Und so holte er immer mehr seiner alten Hochzeitskleidung aus seinem Haus. Er befestigte sogar Schmuck und Tücher auf der Terrasse von Wahyu. Letztendlich stand ich dann da und sah aus wie ein glücklicher und überforderter Sultan. Die Menschen, die am Haus vorbei fuhren grüßten, jubelten und hupten, da sie dachten ich werde heiraten!

Mit Wahyu gings dann wieder nach Padang, wo David mich, wie versprochen, nochmal abholte. Zusammen waren wir bei einem Avocado Shop eines Kumpels und beschlossen die letzte Nacht noch zu nutzen. Und so ging es dann, nachdem wir uns in seinem Haus einsperrten und durch Fenster klettern, um raus zu kommen, zu einem Club in Padang. Mit feinster Elektromusik, David, vielen weiteren Freunden und der ein oder anderen Biersäule wurde mein letzter Tag in Padang und allgemein in Indonesien nochmal richtig genossen! Da David nach den ein, zwei Bier bereits sehr am schaukeln war, durfte ich uns zurück zu seinem Haus fahren und so amüsierte ich mich auch noch einmal an meiner letzten Rollerfahrt in Indonesien.

Fazit zur low Budget Reise in Indonesien – Padang

Mein Fazit zu dieser Reise ist eigentlich ziemlich kurz und knackig: War verdammt geil.

Die Leute in Padang und Umgebung waren super lieb, immer freundlich, immer am lachen. Meine ersten Erfahrungen mit Couchsurfing hätten besser nicht laufen können, denn ich hatte wirklich coole Hosts!

Insgesamt wurde die Reise auf jeden Fall auch dem low budget würdig. Das teuerste war der Kinobesuch, die Kosten für Hostels oder ähnliche Übernachtungsmöglichkeiten sind komplett wegfallen. Meine Hosts lehnten mein Geld auch ab. Also blieb nur ab und zu Essen und Trinken auf dem Markt oder in der Stadt an Kosten über und diese sind in Indonesien wirklich sehr gering.

Ich nehme viele tolle Erfahrungen mit, habe viele nice Menschen kennengelernt und bin nach den vielen Fotos jetzt bestimmt auf jeder zweiten Kamera in Solok verewigt…